Bericht: Markus Staben und Rouven Schönwandt
Es war einer dieser Tage, die einem in Erinnerung bleiben werden. Zum ersten Mal überhaupt stand eine Herrenmannschaft des TSV Schülp in der 1. Faustball-Bundesliga auf dem Feld. Rund 170 Zuschauerinnen und Zuschauer waren dafür in die Sporthalle der Gemeinschaftsschule Nortorf gekommen und sorgten schon vor dem ersten Ballwechsel dafür, dass sich dieser Spieltag anders anfühlte als die vielen davor.
Am Ende stand gegen den erfahrenen TSV LoLa zwar ein deutliches 0:5. Aber das war eben nur ein Teil dieses Nachmittags. Gerade im ersten und dritten Satz zeigte Schülp, dass man auf diesem Niveau nicht völlig fehl am Platz ist. Vor allem aber war es die Premiere, auf die im Verein lange hingearbeitet worden war.

Die Vorfreude darauf war in den vergangenen Wochen immer weiter gestiegen. Schon im Sommer hatte die Mannschaft mit der Vorbereitung begonnen, zusätzliche Trainingstage eingelegt und bei einem Vorbereitungsturnier versucht, sich auf das höhere Tempo und die neue Aufgabe einzustellen.
Je näher der erste Spieltag rückte, desto deutlicher wurde dann aber auch die Anspannung.
Und die machte nicht bei den Spielern halt.
Wenn selbst Heiko nervös wird
Selbst Heiko Höpken war die Nervosität vorher anzumerken. Und wer ihn kennt, weiß, dass das schon etwas heißt.
Als ehemaliger Vereinsvorsitzender, langjähriger Trainer und mit gefühlt 500 Zweitligaspielen auf dem Buckel gehört Heiko seit vielen Jahren zu den Konstanten im Schülper Faustball. Man kann sich an seiner Art reiben, aber wenn etwas ansteht, ist Heiko mit Leib und Seele da.
Das war auch diesmal nicht anders. Eher im Gegenteil. Man merkte ihm in den Tagen vor der Premiere an, wie heiß er darauf war, aus dieser Erstliga-Saison etwas Besonderes zu machen.
Natürlich wissen alle Beteiligten, wie schwer das werden wird. Schülp ist als Aufsteiger Außenseiter, und für den Klassenerhalt müsste vermutlich einiges zusammenkommen. Aber vielleicht ist genau das auch der Reiz an dieser Saison: sich mit Mannschaften zu messen, gegen die der TSV vor einigen Jahren noch nicht einmal ein Pflichtspiel auf dem Zettel gehabt hätte.
Und vielleicht ist das auch die kleine Liebeserklärung an Heiko an dieser Stelle: Nach all den Jahren, all den Spielen und all der Arbeit für den Verein steht er immer noch an der Seitenlinie – und ist vor so einem Tag mindestens genauso angefasst wie alle anderen.
Aus alten Rivalen wird eine Bundesliga-Mannschaft
Überhaupt steckt in dieser Schülper Mannschaft eine Geschichte, die ziemlich gut zu diesem ersten Bundesligaspiel passt.
Der Kern des Teams ist aus Spielern des TSV Schülp und des TSV Gnutz zusammengewachsen. Zwei Vereine, deren sportliche Rivalität über viele Jahre einiges geprägt hat. Früher gegeneinander, heute miteinander – und nun gemeinsam in der 1. Bundesliga.
Ganz so lang reicht die Geschichte beim Gegner nicht zurück, aber auch dort gibt es eine ähnliche Verbindung. Beim TSV LoLa spielen heute Akteure aus dem Umfeld des TSV LoLa und des traditionsreichen VfL Kellinghusen zusammen.
Vielleicht ist auch das eine der schöneren Geschichten dieses Spiels: Aus Vereinen, die sich früher vor allem als Gegner kannten, entstehen irgendwann gemeinsame Mannschaften. Und an diesem Samstag standen zwei davon in der höchsten deutschen Spielklasse auf dem Feld.
Einlaufkinder, Trommeln und eine volle Halle
Schon vor dem ersten Ballwechsel war zu merken, dass dieser Spieltag etwas Besonderes war. Die Jugendmannschaften des TSV begleiteten beide Teams als Einlaufkinder auf das Feld. Auf der Tribüne warteten Trommeln, Plakate und viele bekannte Gesichter.
Um 14 Uhr wurde dann tatsächlich Bundesliga-Faustball in Nortorf gespielt.
Schülp begann mit Sascha Senger und Dirk Sager im Angriff, Markus Staben im Zuspiel sowie Kenneth Ramlow und Lasse Ratjen in der Abwehr.
TSV Schülp – TSV LoLa 0:5
Und der erste Satz machte direkt deutlich, was sich gegenüber den vergangenen Jahren verändert hat. Das Spiel war schneller und direkter, kleine Ungenauigkeiten wurden sofort bestraft.
Trotzdem kam Schülp ordentlich in die Partie.
Nach einem frühen Rückstand kämpfte sich die Mannschaft immer wieder heran. Die Defensive fand schnell ins Spiel, das Zuspiel passte und vorne wurden die Chancen genutzt. Über 4:6 und 7:9 blieb der TSV in Schlagdistanz.
Beim 7:10 schien der Satz schon fast weg zu sein, Schülp kam aber noch einmal auf 9:10 heran. Die Halle war da, die Mannschaft war da – nur der letzte Punkt fehlte.
LoLa machte schließlich das 11:9 und holte sich damit den ersten Satz.
LoLa nutzt die ersten Schülper Fehler
Im zweiten Durchgang gelang es den Gästen zunehmend, ihre Erfahrung auszuspielen. Nach dem zwischenzeitlichen 1:1 setzte sich LoLa Punkt für Punkt ab.
Schülp fand in dieser Phase nicht ausreichend Zugriff. Im Angriff fehlte die notwendige Durchschlagskraft, dazu taten sich immer wieder Lücken im Block- und Stellungsspiel auf.
Mit 3:11 war der zweite Satz entsprechend deutlich.

Starker dritter Satz
Der dritte Durchgang zeigte dann wieder ein anderes Bild.
Nach einem 1:3-Rückstand kam Gregor Buchholz für Lasse Ratjen in die Partie. Schülp arbeitete sich zurück, ging beim 4:3 erstmals in Führung und setzte sich wenig später sogar auf 7:6 ab.
LoLa nahm eine Auszeit.
Danach kippte der Satz.
Die Gäste erzielten fünf Punkte in Folge und holten sich den Durchgang noch mit 11:7. Ärgerlich aus Schülper Sicht – gleichzeitig aber auch die Phase, in der die Mannschaft am deutlichsten zeigte, dass sie einen etablierten Bundesligisten durchaus beschäftigen kann.
Schülp bleibt dran
Auch der vierte Satz begann ausgeglichen. Nach einer zwischenzeitlichen 2:1-Führung blieb Schülp zunächst in Schlagdistanz, ehe sich LoLa auf 7:3 absetzte.
Der TSV gab sich trotzdem nicht geschlagen, verkürzte noch einmal auf 5:7 und 6:8. Am Ende setzte sich die größere Konstanz der Gäste durch und der Satz ging mit 11:6 an LoLa.
Zum fünften Durchgang kam Christian Hartmann für Markus Staben in die Partie.
LoLa erwischte erneut den besseren Start, setzte sich früh ab und ließ diesmal nichts mehr anbrennen. Mit 11:3 ging auch der letzte Satz an die Gäste.
Damit stand nach fünf Durchgängen das 0:5.
Deutlich auf dem Papier, ja. Ganz so eindeutig fühlte sich dieser Nachmittag trotzdem nicht an.
„Eine Erfüllung aller Träume“
Für Christian Hartmann war allein dieser fünfte Satz ein besonderer Moment.
Hartmann spielt seit seiner Kindheit Faustball und hat in seiner Jugend selbst schon auf hohem Niveau gespielt. Jetzt stand er tatsächlich für seinen Heimatverein in der 1. Bundesliga auf dem Feld.
„Schon von klein auf spiele ich Faustball. Heute den Sprung in die erste Liga geschafft zu haben und dort auch zu stehen, bedeutet mir sehr viel. Das war schon eine Erfüllung aller Träume.“
Auch Dirk Sager kennt die 1. Bundesliga bereits aus früheren Jahren. Mit Schülp noch einmal auf diesem Niveau aufzulaufen, war für ihn trotzdem etwas Besonderes.
Seine Analyse des Spiels fiel anschließend angenehm einfach aus: Am Ende müsse man eben feststellen, dass der Gegner an diesem Tag besser gewesen sei.
Viel komplizierter muss man ein 0:5 manchmal auch nicht erklären.
Kenneth Ramlow wiederum trug in der Abwehr gleich bei der Bundesliga-Premiere viel Verantwortung.
Sein Fazit hatte entsprechend etwas mehr jugendlichen Optimismus:
„Ich glaube, ich habe es genauso gemacht wie die Zuschauer. Ich habe einfach richtig Stimmung gemacht und vorne angepeitscht. Vorne hat’s geballert, hinten wurde angenommen. Nächstes Mal ist der Sieg am Start.“
Warum eigentlich nicht?
Auf diesen Tag dürfen die Jungs stolz sein
Natürlich wird die Mannschaft aus diesem ersten Spiel einiges mitnehmen müssen.
Im Angriff braucht es noch mehr Variabilität und Konstanz. Im Stellungsspiel sind noch Abstimmungen nötig, und gerade in Blocksituationen muss das Umschalten schneller funktionieren.
Genau dafür sind die kommenden Trainingseinheiten da.
Was bei aller Analyse aber nicht untergehen sollte: Die Jungs dürfen auf diesen Tag stolz sein.
Auf den Weg bis hierhin. Auf den Aufstieg.
Auf die zusätzliche Arbeit in der Vorbereitung. Darauf, sich vor 170 Zuschauern nicht versteckt zu haben. Und darauf, dass es zumindest phasenweise gelungen ist, einen erfahrenen Bundesligisten unter Druck zu setzen.
Ob am Ende dieser Saison tatsächlich der Klassenerhalt steht, weiß heute niemand. Realistisch betrachtet wird es verdammt schwer. Vielleicht braucht es sogar ein kleines Wunder.
Aber auch auf kleine Wunder darf man im Sport ja durchaus hoffen.
Danke für diesen Nachmittag
Was an diesem ersten Heimspiel ebenfalls hängen bleibt, ist das Drumherum.
Deshalb geht ein großes Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer, die diesen Tag möglich gemacht haben. An die Jugendmannschaften und Einlaufkinder, an die Organisation, den Hallensprecher und alle, die aufgebaut, vorbereitet, verkauft, Musik gemacht oder hinterher wieder mit angepackt haben.
Und natürlich an die Zuschauer.
Trommeln, Plakate, Musik und lautstarke Unterstützung sorgten dafür, dass auf dem Feld tatsächlich Bundesliga-Atmosphäre aufkam. Wenn selbst erfahrene Spieler anschließend von Gänsehaut sprechen, dann hat das viel mit dem zu tun, was von der Tribüne kam.
Gerne wieder.
Weiter geht es in Brettorf
Viel Zeit zum Zurücklehnen bleibt ohnehin nicht.
Am kommenden Wochenende wartet auswärts mit dem TV Brettorf direkt die nächste schwere Aufgabe. Dort wird Schülp erneut Außenseiter sein – und genau deshalb wieder versuchen, jeden Satz und jeden Punkt mitzunehmen, der sich bietet.
Der nächste Heimspieltag folgt am 28. November 2026 in der Sporthalle der Gemeinschaftsschule Nortorf. Beginn ist wieder um 14 Uhr.
Wer die Premiere verpasst hat, bekommt dann die nächste Gelegenheit.
Stimmen zum Spiel – mit einem Augenzwinkern
Die Interviews nach dem Spiel wurden mit scherzhaften Fragen geführt. Die Antworten sind entsprechend mit einem Augenzwinkern zu hören – nicht jede Aussage sollte wörtlich genommen werden.
Fotos vom Spiel








Zur Bildergalerie: TSV Schülp–TSV LoLa, 31.10.2026
Spielübersicht
| Spiel | Gegner | Ergebnis | Sätze |
|---|---|---|---|
| 1 | TSV LoLa | 0:5 | 9:11, 3:11, 7:11, 6:11, 3:11 |
Spielplan und Ergebnisse der 1. Bundesliga Nord auf faustball.com
Kader TSV Schülp
Markus Staben, Sascha Senger, Lasse Ratjen, Jörn Ratjen, Kenneth Ramlow, Christian Hartmann, Dirk Sager, Florian Staben und Gregor Buchholz
Trainer: Heiko Höpken
