Sport bei 37 Grad: Sind wir thermisch mimosig – oder einfach nur vernünftig?

Von Rouven Schönwandt, Vater eines U10-Spielers und Vereinstrainer

Bei uns im Norden sind acht Grad manchmal schon Grillwetter. Bei 18 Grad geht es an den Strand. Und wenn es 28 Grad werden, essen viele von uns abends nur noch Wassermelone, weil Kauen schon nach Belastungssteuerung klingt.

Und jetzt stehen plötzlich Temperaturen im Raum, die eher nach Sevilla klingen als nach Schleswig-Holstein: 37 bis 38 Grad.

Da kommt im Verein natürlich die Frage auf: Kann man da noch Punktspiele machen? Muss man so etwas absagen? Sind wir einfach thermisch mimosig geworden? Früher wurde doch auch gespielt, oder?

Genau diese Diskussion möchte ich einmal zum Anlass nehmen, nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit etwas Abstand auf die Sache zu schauen. Denn die Frage betrifft nicht nur den Sportplatz. Sie betrifft genauso den Garten zuhause, das Trampolin, den Bolzplatz, das Planschbecken, die Fahrradrunde oder den Nachmittag am Strand.

Die eigentliche Frage lautet nämlich nicht: „Darf man bei Hitze überhaupt Sport machen?“ Die bessere Frage lautet: „Unter welchen Bedingungen ist Sport bei Hitze noch verantwortbar – und wann wird aus Sport unnötiges Risiko?“

1. 37 Grad sind nicht einfach „schön warm“

Wenn für unsere Region 37 bis 38 Grad vorhergesagt werden, dann ist das für Schleswig-Holstein keine normale Sommerlage. Das ist nicht „ach, bisschen warm“. Das ist eine Hitzesituation.

Ein Vergleich macht das ganz gut greifbar: Eiklar beginnt ungefähr ab 60 Grad zu stocken. Das klingt erst einmal weit weg. 37 Grad im Wetterbericht sind aber Schattenwerte. In direkter Junisonne, bei wenig Wind und hoher Luftfeuchte kann die Belastung für den Körper deutlich über 40 Grad liegen – im ungünstigen Fall auch in Richtung 45 Grad und mehr.

Natürlich brät bei 37 Grad noch kein Spiegelei auf dem Rasen. Aber darum geht es auch nicht. Der Mensch muss nicht „braten“, um in Schwierigkeiten zu kommen. Es reicht, wenn der Körper seine Wärme nicht mehr loswird. Genau das wird bei Temperaturen nahe oder oberhalb der eigenen Körpertemperatur zum Problem.

Der Deutsche Wetterdienst schaut bei Hitzewarnungen nicht nur auf die Lufttemperatur. Entscheidend ist auch die sogenannte gefühlte Temperatur. Die hängt zusätzlich von Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Wind ab. Genau deshalb kann sich ein Tag mit 35 Grad im Schatten auf einem Sportplatz deutlich brutaler anfühlen als die Zahl auf dem Wetterdisplay.

Besonders wichtig: Unsere Körpertemperatur liegt ungefähr bei 37 Grad. Wenn die Umgebungsluft im Schatten schon in diesem Bereich liegt oder sogar darüber, wird es für den Körper schwierig, Wärme abzugeben. Normalerweise gibt der Körper Wärme an die Umgebung ab. Ist die Umgebung aber selbst sehr heiß, funktioniert das kaum noch. Dann bleibt vor allem ein Mechanismus: Schwitzen.

Schwitzen ist aber nicht einfach „nass werden“. Der Körper kühlt nur dann richtig, wenn Schweiß auf der Haut verdunstet. Dafür braucht es Luftbewegung und eine Luft, die noch Feuchtigkeit aufnehmen kann. Ist es schwül, steht die Luft, knallt die Sonne auf den Platz und rennt ein Kind zusätzlich einem Ball hinterher, dann muss der Körper Schwerstarbeit leisten.

Kurz gesagt: Bei 37 bis 38 Grad ist Sport nicht automatisch verboten. Aber es ist auch nicht mehr der normale Trainingssamstag mit einer extra Trinkpause.

2. Warum gibt es in Schulen überhaupt Hitzefrei?

Auch das ist ein guter Vergleich. In der Schule sitzen Kinder im Zweifel „nur“ im Klassenraum. Trotzdem wird bei Hitze über verkürzten Unterricht, kühlere Räume, andere Abläufe oder Hitzefrei gesprochen. Warum?

Weil Hitze Konzentration, Kreislauf, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit beeinflusst. Kinder werden unruhiger, müder, bekommen Kopfschmerzen, trinken oft zu wenig und merken nicht immer rechtzeitig, dass ihr Körper gerade überfordert ist.

Wenn schon Sitzen, Zuhören und Lernen bei Hitze schwierig werden kann, dann ist intensiver Sport draußen in der Sonne noch einmal eine andere Liga. Gerade im Kinder- und Jugendbereich geht es deshalb nicht darum, Kinder in Watte zu packen. Es geht darum, die Belastung realistisch einzuschätzen.

3. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Das ist ein Satz, den man bei solchen Themen immer wieder hört – und er stimmt zumindest, wenn es um Aufsicht, Risikoabschätzung und Schutz geht.

Kinder und Jugendliche können grundsätzlich auch bei warmem Wetter aktiv sein. Bewegung ist wichtig, auch im Sommer. Aber sie brauchen mehr Steuerung von außen. Jüngere Kinder schätzen Risiken schlechter ein. Sie melden sich oft nicht rechtzeitig, wenn ihnen schwindelig wird, wenn sie Kopfschmerzen bekommen oder wenn ihnen übel ist. Manche wollen weiterspielen, weil sie ihr Team nicht hängen lassen wollen. Andere merken schlicht zu spät, dass es zu viel wird.

Gerade bei U8, U10 oder U12 muss deshalb nicht das Kind entscheiden, ob es noch geht. Das müssen Erwachsene tun: Trainer, Betreuer, Eltern, Schiedsrichter und Veranstalter.

Bei Jugendlichen wird es nicht automatisch risikofrei. Sie sind körperlich belastbarer, aber oft ehrgeiziger. Und Ehrgeiz ist bei 37 Grad nicht immer ein guter Berater.

4. Was sagen die Sportempfehlungen?

Die deutschen Quellen sagen nicht: „Ab Temperatur X ist jeder Sport in jeder Sportart verboten.“ So einfach ist es leider nicht. Es macht einen Unterschied, ob jemand zehn Minuten locker Technik übt, ein Turnier über mehrere Stunden spielt, einen Ausdauerlauf macht oder als Zuschauer in der prallen Sonne steht.

Trotzdem ist die Richtung klar.

Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention empfiehlt für Kinder und Jugendliche bei großer Hitze, sportliche Aktivitäten möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden zu legen. Intensität und Dauer sollen reduziert werden. Es soll ausreichend getrunken werden, Kühlung bereitstehen und die Kinder müssen eng beobachtet werden.

Die DFB-Sportmedizin empfiehlt im Amateurfußball ab mehr als 35 Grad, Spielverlegungen zu prüfen – bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit schon ab mehr als 32 Grad. Ab 40 Grad sollte nach diesen Empfehlungen weder gespielt noch trainiert werden. Dazu kommen Trinkpausen, Kühlmöglichkeiten, Schatten und eine klare Abbruchbereitschaft.

Der DOSB und der Landessportverband Schleswig-Holstein verweisen auf Hitzeschutzkonzepte für den organisierten Sport. Dort geht es genau um solche Fragen: Wie plant man Sport bei Hitze? Welche Schutzmaßnahmen braucht es? Wann muss ein Angebot angepasst, verlegt oder abgesagt werden?

Für mich heißt das praktisch: Bei angekündigten Temperaturen um 37 bis 38 Grad – erst recht bei einer entsprechenden Hitzewarnung des DWD – muss man im Jugendbereich sehr genau begründen können, warum ein Spiel oder Turnier überhaupt stattfinden soll, nicht umgekehrt.

5. Ab wann wird es kritisch?

Die ehrlichste Antwort lautet: Es gibt nicht die eine magische Gradzahl, bei der vorher alles harmlos und danach alles verboten ist. Kritisch wird es durch die Kombination aus Temperatur, Sonne, Luftfeuchtigkeit, Wind, Alter der Kinder, Belastungsdauer, Pausen und Organisation.

Für unseren konkreten Fall sprechen wir nicht über fünf Minuten lockeres Ballgefühl im Schatten. Wir sprechen über Punktspiele: 30 Minuten in der Sonne, auf einem aufgeheizten Platz, mit Aufwärmen davor, Wartezeit dazwischen und eventuell sogar zwei Spielen hintereinander. Für U10-Kinder ist das bei großer Hitze eine deutlich andere Belastung als „kurz draußen bewegen“.

Als grobe Orientierung kann man sagen:

  • Bis etwa 25 Grad ist das normalerweise gut machbar.
  • Zwischen 26 und 29 Grad wird es warm, aber mit Wasser, Schatten und normalem Menschenverstand gut steuerbar.
  • Ab 30 Grad beginnt der Bereich, in dem man nicht mehr einfach nach Standardplan spielen sollte. Dann braucht es feste Trinkpausen, Schatten, Kühlung und eine klare Abbruchbereitschaft.
  • Ab etwa 32 Grad gefühlter Temperatur spricht der Deutsche Wetterdienst von starker Wärmebelastung; ab über 38 Grad von extremer Wärmebelastung. Für Jugendspiele in der Sonne ist das bereits ein Bereich, in dem man Verlegung ernsthaft prüfen sollte.
  • Ab mehr als 35 Grad empfiehlt die DFB-Sportmedizin im Amateurfußball, Spielverlegungen zu prüfen.
  • Ab 40 Grad sollte nach diesen Empfehlungen weder gespielt noch trainiert werden.

Für mich persönlich heißt das für U10-Punktspiele:

  • Ab 30 Grad nur noch mit Schutzkonzept.
  • Ab 32 Grad gefühlter Temperatur sehr kritisch.
  • Ab 35 Grad Lufttemperatur sollten Punktspiele verlegt oder abgesagt werden, besonders wenn mehrere Spiele hintereinander anstehen.
  • Bei extremer Wärmebelastung oder DWD-Hitzewarnung Stufe 2 gehört ein U10-Spiel nicht mehr in die Mittagssonne.

Das hat nichts mit „thermisch mimosig“ zu tun. Das ist schlicht der Unterschied zwischen Sport machen und Belastung verantworten.

6. Top 5 Fakten zu Sport und Hitze

1. Die Lufttemperatur ist nicht die ganze Wahrheit. Sonne, Luftfeuchtigkeit und Wind entscheiden mit. Auf einem Sportplatz kann es sich deutlich heißer anfühlen als die angezeigte Temperatur.

2. Schwitzen kühlt nur, wenn Schweiß verdunstet. Bei schwüler Luft oder wenig Wind funktioniert diese Kühlung schlechter. Dann steigen die Belastung für Kreislauf und Körpertemperatur.

3. Kinder brauchen mehr Schutz durch Erwachsene. Sie merken Warnzeichen oft später, wollen weitermachen oder können Beschwerden noch nicht gut einordnen.

4. Ozon kann zusätzlich eine Rolle spielen. Bei sommerlicher Sonne können Ozonwerte besonders am Nachmittag steigen. Wer Sport treibt, atmet schneller und tiefer. Dadurch gelangt mehr Ozon in die Atemwege. Das kann Husten, Reizungen, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden verstärken – besonders bei empfindlichen Personen oder Kindern mit Atemwegsthemen.

5. Hitzeprobleme beginnen oft unspektakulär. Es muss nicht gleich jemand umkippen. Erste Zeichen können Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, ungewöhnliche Müdigkeit, Krämpfe, blasse oder gerötete Haut, Verwirrtheit oder Koordinationsprobleme sein. Dann wird nicht diskutiert. Dann wird abgebrochen.

7. Top 5 Dinge, die wirklich helfen

1. Früh oder spät statt mittags. Training, Spiele und Turniere gehören bei extremer Hitze möglichst in die Morgen- oder Abendstunden. Zwischen etwa 11 und 17 Uhr ist körperliche Anstrengung bei solchen Temperaturen besonders kritisch.

2. Weniger Intensität, kürzere Dauer. Kein „wir machen heute trotzdem Vollgas“. Technik, Taktik, lockere Bewegung: ja. Ausdauerläufe, harte Intervalle, lange Spielformen in der Sonne: nein.

3. Trinkpausen fest einplanen. Nicht warten, bis jemand Durst meldet. Pausen müssen vorher feststehen. Wasser muss verfügbar sein. Bei Kindern sollte man aktiv daran erinnern.

4. Schatten und Kühlung organisieren. Schattenplätze, Pavillons, nasse Handtücher, Wassereimer, Sprühflaschen, Kühlpacks, Kopfbedeckung in Pausen – das sind keine Luxusdetails, sondern Teil der Veranstaltungsplanung.

5. Luftbewegung nutzen, nicht in heißer Luft einsperren. Ein wichtiger Punkt, der oft falsch verstanden wird: Natürlich sollte man Räume tagsüber verschatten und nicht unnötig heiße Luft hineinholen, wenn es drinnen noch kühler ist. Aber Menschen sollten auch nicht stundenlang in stickiger, stehender, überhitzter Luft sitzen. Luftbewegung, Durchzug, Ventilatoren und gezieltes Lüften können helfen – besonders morgens, abends, nachts oder wenn Innenräume bereits stark aufgeheizt sind. Entscheidend ist nicht eine starre Regel wie „Fenster immer zu“ oder „Fenster immer auf“, sondern: Wo ist es kühler? Wo bewegt sich Luft? Wo kann der Körper Wärme loswerden?

8. Das gilt nicht nur für den Sportplatz

Wichtig ist mir: Diese Gedanken gelten nicht nur für Punktspiele, Training oder Turniere. Hitze unterscheidet nicht zwischen „offiziellem Sportbetrieb“ und „nur kurz im Garten“.

Auch zuhause können Kinder bei solchen Temperaturen schnell in eine hohe Belastung kommen: Fußball auf dem Rasen, Trampolin, Fangen spielen, Radfahren, Planschbecken in der Sonne oder stundenlanges Toben im Garten. Das wirkt harmloser als ein Punktspiel, ist für den Körper aber oft sehr ähnlich: Bewegung, Sonne, wenig Schatten, wenig Pausen, viel Schwitzen.

Gerade im Garten passiert noch etwas anderes: Erwachsene sind entspannter, weil es ja „nur zuhause“ ist. Kinder laufen barfuß, vergessen das Trinken, wollen nicht aus dem Spiel raus und merken oft spät, dass ihnen zu warm wird. Ein Planschbecken hilft nur dann, wenn es wirklich Schatten gibt und die Kinder zwischendurch runterkühlen. Ein Trampolin in der Mittagssonne ist dagegen im Zweifel eher eine kleine private Heißluftfritteuse mit Netz.

Deshalb gilt auch zuhause: morgens oder abends raus, mittags Schatten und Ruhe, viel trinken, Kopfbedeckung, Sonnencreme, leichte Kleidung und immer wieder aktiv Pausen anbieten. Und wenn ein Kind auffällig schlapp, sehr rot, blass, schwindelig, übel oder ungewöhnlich ruhig wird: raus aus der Sonne, kühlen, trinken lassen, beobachten – und im Zweifel medizinisch abklären.

9. Was ist mit Ländern, in denen es öfter heiß ist?

Man hört dann schnell: „In Spanien spielen sie doch auch Fußball.“ Ja, aber dort ist Hitze organisatorisch oft viel stärker Teil des Alltags. Aktivitäten werden anders geplant. Tageszeiten werden angepasst. Mittagshitze wird ernster genommen. Schatten, Wasser und Pausen sind weniger „Extras“, sondern Selbstverständlichkeiten.

Auch in süddeutschen Regionen oder in der Schweiz gibt es häufiger Situationen mit großer Hitze. Dort wird das Thema Hitzeschutz seit Jahren deutlich aktiver diskutiert. Für uns in Schleswig-Holstein ist das noch ungewohnter. Genau deshalb fehlen manchmal Routinen. Wir sind nicht automatisch härter oder weicher. Wir sind vor allem weniger daran gewöhnt.

Und das ist kein Vorwurf. Es ist einfach ein Grund, genauer hinzuschauen.

10. Was wären klare No-Gos bei 37 bis 38 Grad?

Für mich wären bei solchen Bedingungen folgende Dinge klare No-Gos:

  • Jugendspiele oder Jugendturniere über mehrere Stunden in der Mittagshitze.
  • Zwei Punktspiele hintereinander ohne ausreichend lange Erholung im Schatten.
  • Lange Wartezeiten für Kinder in der Sonne.
  • Intensive Ausdauerläufe, Strafläufe oder Intervalltraining.
  • „Nur noch dieses eine Spiel“ trotz sichtbarer Erschöpfung.
  • Keine festen Trinkpausen.
  • Kein Schattenkonzept.
  • Keine Kühlmöglichkeiten.
  • Kinder ohne Trinkflasche, Kopfbedeckung oder Sonnenschutz.
  • Erwachsene, die Warnzeichen kleinreden.
  • Weitermachen bei Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerz, Verwirrtheit oder Koordinationsproblemen.

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend. Bei Hitze darf es keine Heldennummer geben. Wer Symptome zeigt, ist raus aus der Belastung, in den Schatten, wird gekühlt und beobachtet. Bei Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, Erbrechen oder Kollaps ist das ein Notfall.

11. Also: Sind wir thermisch mimosig?

Vielleicht ist das die ehrlichste Frage.

Meine Antwort: Nein. Nicht, wenn wir bei 37 bis 38 Grad über Kinder- und Jugendsport sprechen. Vorsicht ist in dem Fall keine Schwäche. Vorsicht ist Organisation.

Früher wurde vieles einfach gemacht. Früher wurde aber auch vieles gemacht, was wir heute besser wissen. Früher gab es weniger Trinkpausen, weniger Sonnenschutz, weniger Wissen über Ozon, weniger Diskussion über Hitzeschutz. Das macht frühere Generationen nicht dumm und heutige nicht weich. Es bedeutet nur: Wir haben heute bessere Informationen. Dann sollten wir sie auch nutzen.

Sport soll fordern. Sport soll Spaß machen. Sport darf auch anstrengend sein. Aber Sport soll Kinder nicht unnötig gefährden.

Wenn ein heißer Samstag kommt, muss die Lösung nicht immer Absage heißen. Manchmal reicht Verlegung. Manchmal reicht ein anderes Trainingsformat. Manchmal reicht ein kurzer, lockerer Termin früh morgens. Aber manchmal ist die beste sportliche Entscheidung tatsächlich: Heute nicht.

12. Für alle, die es genauer wissen wollen: Was passiert im Körper?

Der menschliche Körper versucht seine Kerntemperatur ziemlich konstant zu halten. Wird uns warm, erweitert der Körper Blutgefäße in der Haut. Mehr warmes Blut wird an die Körperoberfläche gebracht, damit Wärme abgegeben werden kann. Gleichzeitig produzieren wir Schweiß.

Das Problem: Diese Mechanismen kosten Energie und belasten den Kreislauf. Das Herz muss mehr arbeiten. Der Körper verliert Flüssigkeit und Salze. Wird zu wenig getrunken, sinkt das Blutvolumen. Dann wird es für den Kreislauf noch schwerer.

Bei kühlerer Umgebung kann der Körper Wärme gut abgeben. Bei sehr heißer Umgebung wird das schwieriger. Liegt die Lufttemperatur nahe an der Körpertemperatur oder darüber, funktioniert einfache Wärmeabgabe an die Umgebung kaum noch. Dann wird Verdunstungskühlung durch Schweiß entscheidend.

Ist die Luft trocken und bewegt sich, kann Schweiß gut verdunsten. Ist die Luft schwül oder steht, bleibt der Schweiß eher auf der Haut. Dann fühlt man sich nass, aber der Körper wird schlechter gekühlt. Genau deshalb kann ein schwüler 32-Grad-Tag belastender sein als ein trockener 35-Grad-Tag mit Wind.

Direkte Sonne verschärft die Lage zusätzlich. Der Körper bekommt nicht nur Wärme aus der Umgebungsluft, sondern auch Strahlungswärme von oben. Auf Sportplätzen kommen häufig wenig Schatten, aufgeheizte Flächen, helle Kleidungsvorschriften, Turnierstress und zu kurze Pausen dazu.

Bei Kindern kommt hinzu, dass sie stärker betreut werden müssen. Sie regulieren Belastung nicht so zuverlässig selbst. Sie trinken oft erst, wenn sie schon Durst haben. Sie wollen weiterspielen. Sie spüren Warnzeichen nicht immer rechtzeitig oder sagen sie nicht klar. Deshalb tragen Erwachsene im Kinder- und Jugendsport eine besondere Verantwortung.

Bei Erwachsenen sieht es etwas anders aus. Gesunde, trainierte Erwachsene können Hitze besser einschätzen und Belastung eher selbst steuern. Aber auch hier gibt es Risikofaktoren: Infekt, Schlafmangel, Alkohol vom Vorabend, Medikamente, Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma oder einfach schlechte Tagesform. Niemand ist bei 38 Grad unverwundbar, nur weil er sonst fit ist.

13. Ozon: Der unsichtbare Mitspieler

Hitze ist sichtbar. Sonne ist sichtbar. Ozon nicht.

Bodennahes Ozon entsteht bei starker Sonneneinstrahlung aus Vorläuferstoffen in der Luft. Hohe Werte treten häufig im Sommer auf, oft am Nachmittag. Für Sport ist das relevant, weil wir bei Belastung schneller und tiefer atmen. Dadurch gelangt mehr Luft – und damit auch mehr Ozon – in die Atemwege.

Ozon kann die Schleimhäute reizen, Husten auslösen, die Lungenfunktion beeinträchtigen und bei empfindlichen Personen Atembeschwerden verstärken. Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen sein. Auch Kinder verdienen hier besondere Aufmerksamkeit.

Deshalb reicht der Blick auf „Grad Celsius“ nicht aus. Bei Hitze, Sonne und Ozonbelastung kann aus einem geplanten Sporttag schnell eine Gesamtsituation werden, bei der Verlegen oder Absagen die vernünftigere Lösung ist.

14. Mein persönliches Fazit

Ich bin Vater eines U10-Spielers. Ich bin Trainer. Und ich mag Sport, der fordert. Aber ich finde auch: Kinder müssen nicht beweisen, dass sie bei 38 Grad funktionieren.

Wenn die Vorhersage so eintritt, sollten wir im Verein nicht fragen: „Kriegen wir das irgendwie durch?“ Sondern: „Ist das für die Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen, Trainer, Schiedsrichter und Zuschauer wirklich sinnvoll?“

Bei normalem Sommerwetter: spielen, trainieren, Spaß haben.

Bei 37 bis 38 Grad: neu denken.

Früher anfangen. Später spielen. Kürzer trainieren. Mehr Pausen. Mehr Schatten. Mehr Wasser. Weniger Ego. Und wenn das nicht sauber möglich ist: absagen.

Das ist nicht thermisch mimosig, das ist einfach nur clever.


Quellen und weiterführende Informationen

  • Deutscher Wetterdienst: Hitzewarnungen, Hitzetrend und gefühlte Temperatur

https://www.hitzewarnungen.de

  • Deutscher Wetterdienst: Warnkriterien Hitze und UV

https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/uv_hitze_warnungen.html

  • DOSB: Musterhitzeschutzplan für den organisierten Sport

https://www.dosb.de/service/tools/detail/musterhitzeschutzplan-fuer-den-organisierten-sport

  • Landessportverband Schleswig-Holstein: Sport im Freien / Hitzeschutz

https://www.lsv-sh.de/sportwelten-projekte/sport-gesundheit/sport-im-freien/

  • Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention: Sport bei großer Hitze für Kinder und Jugendliche

https://www.dgsp.de/seite/376582/

  • DFB-Kommission Sportmedizin: Fußball bei Hitze

https://www.dfb.de/news/detail/fussball-bei-hitze-die-empfehlungen-der-kommission-sportmedizin-80356

  • Umweltbundesamt: Ozon bei Sportveranstaltungen

https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/ozon-bei-sportveranstaltungen

  • Umweltbundesamt: Ozon allgemein

https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe-im-ueberblick/ozon

  • BIÖG / ehemalige BZgA: Bei Hitze sicher in Bewegung bleiben

https://www.uebergewicht-vorbeugen.de

  • Land Schleswig-Holstein: Hitzeschutz

https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/G/gesundheitsschutz_umweltbezogen/Hitzeschutz/Startseite_Hitze

  • Kachelmannwetter / Wetterkanal: aktuelle Einschätzungen zu Hitze, Schwüle und Wetterlagen

https://wetterkanal.kachelmannwetter.com

Symbolbild: Faustballspieler bei 37 Grad mit Thermometer und Sonne.
Sport bei 37 Grad – Symbolbild zum Hitzeschutz im Kinder- und Jugendsport.

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