Vier Tage Weltklasse-Faustball direkt hinter der deutsch-dänischen Grenze, ein beeindruckend hergerichtetes Stadion, begeisterte Schülper Nachwuchsfaustballer und ganz viel von dem besonderen Gemeinschaftsgefühl unseres Sports: Eine kleine Gruppe des TSV Schülp machte sich vom 12. bis 15. August auf den Weg nach Tondern und erlebte dort eine Europameisterschaft, die lange in Erinnerung bleiben wird.
Natürlich hätten es aus Schülper Sicht gerne noch ein paar mehr sein dürfen. Aber diejenigen, die dabei waren, waren sich am Ende einig: Diese EM war jede Minute wert.
Zum ersten Mal wurde eine Männer-Europameisterschaft im Faustball in Dänemark ausgetragen. Acht Nationen waren im BankParken dabei, und was Team Nordschleswig und Faustball Dänemark dort gemeinsam mit vielen Helferinnen und Helfern auf die Beine gestellt hatten, war beeindruckend.
Ein Stadion mit echter EM-Atmosphäre
Der BankParken war für die Veranstaltung noch einmal richtig herausgeputzt worden. Top-Rasen, große „TØNDER 2026“-Markierungen und kurze Wege machten aus dem Fußballstadion für vier Tage eine echte Faustballarena.
Gerade aus der Luft wurde sichtbar, wie stimmig das Gelände aufgebaut war: Hauptfeld, Tribünen, Nebenflächen, Fanzone, Foodcourt und Bühne lagen dicht beieinander. Groß genug für eine Europameisterschaft, aber trotzdem so kompakt, dass man sich ständig über den Weg lief.
Am Abend kam dann fast Festivalstimmung auf. Nach dem letzten Spiel war noch lange nicht Schluss, Livemusik am Foodcourt gehörte an allen Tagen dazu.

Unsere Kinder hatten ihren eigenen EM-Spielplan
Für die mitgereisten Kinder aus U10 und U12 entwickelte sich schnell ein ganz eigener Tagesablauf.
Faustball schauen? Ja, manchmal.
Aber da waren schließlich auch Nationalspieler, von denen man Autogramme bekommen konnte. Dazu Kleinfelder, eine riesige Hüpfburglandschaft, Hau-den-Lukas und eine Boxstation.
Die Jungs waren die meiste Zeit irgendwo zwischen Autogrammjagd, Kleinfeld und Hüpfburg unterwegs – und genau so soll es doch sein. Sie mussten nicht vier Tage still auf der Tribüne sitzen, um am Ende restlos begeistert zu sein.
Besonders groß wurden die Augen, wenn die Nationalspieler nach ihren Spielen einfach mitten unter den Zuschauern unterwegs waren. Erinnerungsfotos entstanden unter anderem mit den späteren Europameistern Karl Müllehner und Michael Hölzl.
Gerade diese Nähe macht Faustball aus: Auf der einen Seite die Spieler, die um einen Europameistertitel kämpfen, auf der anderen Kinder aus Schülp mit Stift und Deutschlandfahne – und dazwischen kaum Distanz.
Der Nussgeist durfte natürlich nicht fehlen
Und dann war da noch der Nussgeist.
Ganz in Weiß, mit langem Haar, Bart und der unverkennbaren Nusskette, war er kaum zu übersehen. Als er mit Österreichfahne auf unsere Jungs mit Deutschlandfahnen traf, wurde aus Deutschland gegen Österreich kurzerhand ein eigenes kleines Duell am Spielfeldrand.

Wer genau im Nussgeist steckte, bleibt natürlich ein streng gehütetes Faustballgeheimnis.
Nur so viel: In unserer kleinen Faustballwelt kennt man sich.
Gänsehaut bei den Spielen der Dänen
Besonders emotional waren die Spiele der Gastgeber. Mehr als tausend Kinder aus Schulen der Umgebung waren zeitweise im Stadion, und entsprechend laut wurde es, wenn Dänemark spielte.

Für Faustballverhältnisse war diese Kulisse etwas Besonderes. Jeder Punkt wurde gefeiert, die Mannschaft lautstark unterstützt – echte Gänsehautmomente.

Am Ende belegte Dänemark Rang fünf und holte damit nach der Viertelfinalniederlage gegen Italien das bestmögliche Ergebnis. Trotzdem blieb der Eindruck, dass die Mannschaft insgesamt etwas unter ihren Möglichkeiten gespielt hat.
Der Stimmung auf den Rängen tat das allerdings keinen Abbruch.
Deutschland gegen die Schweiz: das gefühlte Finale
Das sportliche Highlight des Turniers war für viele Zuschauer nicht das spätere Endspiel, sondern das Halbfinale zwischen Deutschland und der Schweiz.
Sieben Sätze, Führungswechsel, lange Ballwechsel und eine kaum zu überbietende Dramaturgie.
Die Schweiz führte nach fünf Sätzen mit 3:2 und hatte im sechsten Durchgang bei 10:9 Matchball. Deutschland wehrte ihn ab, gewann den Satz noch mit 12:10 und setzte sich anschließend im Entscheidungssatz mit 11:8 durch.
Deutschland – Schweiz 4:3
5:11, 11:6, 11:8, 5:11, 9:11, 12:10, 11:8.
Das war eines dieser Spiele, bei denen irgendwann niemand mehr ruhig auf seinem Platz sitzt.
„Weißt du noch, damals in Tondern?“ – genau so ein Spiel.
Österreich im Finale zu stark
Das Endspiel am Samstag konnte mit dieser Dramaturgie leider nicht mithalten.
Deutschland begann ordentlich und hatte beim 10:8 im ersten Satz sogar zwei Satzbälle. Österreich drehte den Durchgang noch zum 13:11 und ließ danach kaum noch etwas anbrennen.
Mit 13:11, 11:3, 11:5 und 11:4 gewann Österreich verdient mit 4:0 und holte sich den Europameistertitel. Deutschland wurde Zweiter, die Schweiz gewann Bronze vor Italien.
Faustball und ein bisschen Dänemark
Was neben dem Sport hängen bleibt, ist die wunderbar unkomplizierte Art dieser Veranstaltung.
Wenn ein Kartenlesegerät nicht funktionierte, wurde eben später bezahlt. Der Einlass war entspannt. Trinkflaschen konnten kostenlos aufgefüllt werden, eigenes Essen war kein Problem.
Kleine Dinge – aber genau diese Dinge machen einen Unterschied.
Es herrschte einfach Vertrauen.
Vielleicht typisch Faustball. Vielleicht auch ein bisschen typisch Dänemark.
Und obwohl alles professionell organisiert war, fühlte sich die EM nie überreglementiert oder unpersönlich an.
Zurück in der Faustballfamilie
Für mich persönlich hatte Tondern noch eine zweite Ebene.
Nach mehreren Jahren Pause stand ich wieder mit Kamera und Akkreditierung am Spielfeldrand einer großen internationalen Faustballveranstaltung.
Viele Menschen dort kenne ich seit Jahren. Mit einigen habe ich früher regelmäßig bei großen Veranstaltungen zusammengearbeitet. Jetzt hatte man sich teilweise fünf oder sechs Jahre nicht gesehen.
Wobei das Wiedererkennen manchmal ein paar Sekunden dauerte. Nach meiner längeren Radtour war schließlich deutlich mehr Bart im Gesicht als früher.
Doch danach war sofort wieder alles vertraut.
Bekannte Stimmen, bekannte Gesichter, kurze Gespräche am Feldrand – unter anderem mit Holger Laser, den viele aus der Faustballszene und als Stadionsprecher des VfB Stuttgart kennen.
Es fühlte sich nicht wie ein Neustart an.
Es fühlte sich ein bisschen an wie nach Hause kommen.
Und auch das Fotografieren selbst war sofort wieder da: mit langer Optik am Feldrand sitzen, Situationen vorausahnen, Jubel und Dynamik einfangen, zwischendurch die Drohne steigen lassen.
Ich hatte fast vergessen, wie viel Spaß mir das macht.
Besonders schön war die Zusammenarbeit mit Uffe Iwersen und seinem Team – unkompliziert, herzlich und professionell.
Ende September geht es beim Champions Cup in Ahlhorn weiter. Dann wird wieder gemeinsam gearbeitet, diesmal auch wieder mit Uwe Spille. Besonders freue ich mich auf Jan Beckmann sowie Uli Meiners und sein Team.
Nach Tondern ist die Vorfreude darauf noch einmal deutlich größer.
Danke, Tondern!
Tondern hat gezeigt, wie professionell und gleichzeitig herzlich eine Europameisterschaft sein kann.
Unsere Kinder nahmen Autogramme, Fotos und jede Menge Geschichten mit nach Hause. Wir Erwachsenen Weltklasse-Faustball, viele schöne Begegnungen und Erinnerungen an vier besondere Tage.
Und für mich persönlich war es vor allem ein richtig schönes Wiederankommen in der Faustballfamilie.
Ein großes Dankeschön an Team Nordschleswig, Faustball Dänemark, Uffe Iwersen und alle Helferinnen und Helfer.
Mange tak, Tønder. Das war richtig stark.
Endstand der Faustball-EM 2026
| Platz | Nation |
|---|---|
| 1. | Österreich |
| 2. | Deutschland |
| 3. | Schweiz |
| 4. | Italien |
| 5. | Dänemark |
| 6. | Tschechien |
| 7. | Belgien |
| 8. | Serbien |



